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Gleidingen geschichtlich

Gleidingen geschichtlich

Laatzens älteste Ortschaft ist Gleidingen. In einer Urkunde des Jahres 983 bezeugt "Hrothger de Glethingi" mit anderen Persönlichkeiten den Grenzverlauf zwischen den Bistümern Hildesheim und Minden und damit den sächsischen Teilherzogtümern Engern und Ostfalen. Das Geschlecht derer von Gleidingen wird in Schriften der folgenden Jahrhunderte immer wieder erwähnt und kann damit als größter Grundherr angenommen werden.

Schon 1250 ist Henricus de Gledinge - die Schreibweise des Namens hatte sich zwischenzeitlich geändert - als Pfarrer bezeugt, so dass Gleidingen wohl als eine der frühesten Kirchengemeinden im heutigen Großraum Hannover bezeichnet werden darf. Während der Hildesheimer Stiftsfehde von 1519 bis 1523 kam es in Gleidingen zu einem Gefecht. Herzog Erich von Calenberg schlug bei Gleidingen ein bischöflich-hildesheimisches Truppenkontingent, das vorher das Dorf Langenhagen geplündert hatte. 100 Tote und 200 Gefangene sind bezeugt. Beim Friedensschluss nach Beendigung der Stiftsfehde kam das Amt Ruthe und damit auch Gleidingen zum Herzogtum Braunschweig.

1643 kam Hildesheim wieder unter die Hoheit der Hildesheimer Bischöfe und den welfischen Herzögen. Dies bescherte Gleidingen eine bewegte Vergangenheit bis in unsere Zeit. Von Bedeutung erwies sich ein Duell auf der Gleidinger Sehlwiese, bei dem der dänisch-norwegische Vizeadmiral Peter Tordenskiold 1720 getötet wurde. Ein Gedenkstein an einer nach ihm benannten Straße erinnert an dieses Ereignis.

In den hundert Jahren von 1812 bis 1910 stieg die Einwohnerzahl Gleidingens von etwa 600 auf 1.390. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts begann die Zuwanderung der ersten jüdischen Familien nach Gleidingen, die bisher in Hildesheim auf dem Moritzberg bzw. in Peine „Auf dem Damme“ wohnten. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurden für zehn jüdische Familien Schutzbriefe vom Churfürstlichen Amt Hildesheim ausgestellt. Die Zahl der Juden stieg durch die Schutzbrieferteilung stark an (1845: 93 Juden in Gleidingen, bei einer Einwohnerzahl von 902). Im Gleidinger Landbuch wird schon 1749 der Juden-Friedhof am Dammacker aufgeführt. Die Juden bildeten eine eigene Synagogen-Gemeinde, von der um 1835 eine Synagoge errichtet wurde (in der heutigen Thorstraße). Aus den Geburts-, Tauf- und Sterbelisten von 1844-1878 geht hervor, dass 22 der in Gleidingen ansässigen Juden als Kaufleute oder (Vieh-) Händler geführt werden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte allmählich eine Abwanderung vorwiegend der jüngeren Juden ein. Sie zog es in die größeren Städte; die alten Stammfamilien blieben, vorwiegend mit dem Handel beschäftigt, in Gleidingen zurück. Die jüdische Gemeinde lebte emanzipiert zu den anderen Bewohnern Gleidingens und nahm aktiv am gesellschaftlichen Leben teil.

Bei der Machtübernahme durch die NSDAP lebten 1933 in Gleidingen etwa 30-35 Juden. Während der Reichskristallnacht wurde die Synagoge zerstört. Der bestehende Gleidinger Judenfriedhof wurde 1976 hergerichtet und umfasst 52 Steine. 

Gleidingen wurde mit der niedersächsischen Kommunalreform vom 1. März 1974 ein Teil der Stadt Laatzen.

 

Stolpersteine

Mit dem Projekt Stolpersteine erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an das Schicksal der Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Seit 1995 verlegt er kleine Gedenktafeln aus Messing vor den früheren Wohnorten der NS-Opfer. Seine Stolpersteine liegen inzwischen in über 500 Orten in Deutschland und in Europa, seit 2008 auch in Laatzen.

Bislang wurden in Laatzen Stolpersteine für folgende Familien verlegt:

- Familie Moritz Schönfeld (Viehhandel, Haus Nr. 53, heute Hildesheimer Strasse 522)

- Familie Louis Schönfeld (Viehhandel, Haus Nr. 76, heute Hildesheimer Strasse 571)

- Familie Alfred Cohnheim (Viehhandel, Haus Nr. 138, heute Hildesheimer Straße 563)

Literatur:

John, Friedrich, Gleidingen 983-1893. o. O. 1983.Landkreis Hannover (Hg.), Wappenbuch des Landkreises Hannover, Hannover 1985, S. 212 f.

Langner, Angela, Der jüdische Friedhof in Gleidingen, Laatzen o. J.Ohainski, Uwe; Udolph, Jürgen (Hgg.), Die Ortsnamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Bd. 37. Niedersächsisches Ortsnamenbuch, Teil 1), Bielefeld 1998, S. 167 f.

© Ilka Hanenkamp-Ley

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