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Ingeln-Oesselse stadtgeschichtlich

Ingeln-Oesselse stadtgeschichtlich

Ingeln, als heute kleinster Ortsteil der Stadt Laatzen, wurde  im Jahre 1162 zum ersten Mal erwähnt. Als "Ingenem" lag das Dorf damals im Gau Ostfalen und wurde später "Ingelem" genannt. In den folgenden Jahrhunderten glich die Entwicklung Ingelns der des benachbarten Ortsteiles Oesselse. Dompröbste und Domdechanten der Bistumsstadt Hildesheim erwarben für das Michaeliskloster in Hildesheim Land und traten als Grundherren auf. Mit dem Untergang der beiden Nachbardörfer Delm und Bokum kam es im 15. Jahrhundert zu einem Aufschwung in der dörflichen Entwicklung Ingelns. Bereits im Jahre 1450 wurden die Ländereien der beiden Orte von Ingeln aus bewirtschaftet. Dies lässt den Rückschluss zu, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner aus Delm und Bokum sich in Ingeln angesiedelt haben.

Im Ingelner Wappen erinnern noch heute drei "Delmer Eichen" an die im ausgehenden Mittelalter untergegangenen Ortschaften. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist die Einwohnerentwicklung Ingelns gut dokumentiert. Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner stieg von 219 (1785) auf 313 (1910) an. Eine Haus- und Einwohnerzählung im Jahre 1845 belegt, dass es damals 46 Wohnhäuser mit 292 Einwohnerinnen und Einwohnern gab. In den Jahren 1888/89 war die Zahl der Ingelner Schülerinnen und Schüler, die in Oesselse unterrichtet wurden, so stark angestiegen, dass man den Bau einer eigenen Schule anstrebte. 1911 wurde diesem Wunsch entsprochen und ein erstes Schulzimmer in Ingeln eingerichtet.

Besondere Erwähnung verdient, dass der gebürtige Ingelner August Ebeling sein ganzes Vermögen dem Dorf testamentarisch vermachte. Er wünschte die Errichtung eines Krankenhauses, um die ärztliche Versorgung der Ingelner sicherzustellen. Für diesen Wunsch reichte das Vermögen nicht aus, segensreich war die gegründete Stiftung für die Ingelner allemal, denn die Mittel werden bis heute für allgemeine Wohlfahrtszwecke verwendet. Die Ingelner Stiftungsstraße erinnert noch heute an die Milde und die Nächstenliebe August Ebelings.

Auch die Ingelner Bevölkerung hat sich nach Kriegsende verdoppelt, der ländliche Charakter dieser Laatzener Ortschaft hat sich aber bis heute erhalten und gewinnt in unserer Zeit gerade bei jüngeren Bürgerinnen und Bürgern wieder an Bedeutung.

Zu den Siedlungen, deren Ortsnamen auf „heim“ zurückgehen, gehört auch Oesselse. Einst war darin ein Rittergeschlecht begütert, das darum den Namen von ihm angenommen hat. So wird 1333 ein Luderus de Osselse (auch Ösleven) genannt. Aus dem Siegel stammt das heutige Wappen der Ortschaft. Erstmals wird Oesselse 1022 in der Stiftungsurkunde des Michaelisklosters zu Hildesheim erwähnt. Bischof Bernward (993-1022) schenkte dem Kloster Güter in Oesselse. 1466 wird die Kirche dem Heiligen St. Martin und St. Nicolaus gewidmet. Seit Beginn der Amtsverfassung war Oesselse ein Dorf des Amtes Ruthe. Als Folge der Hildesheimer Stiftsfehde wurde dieses 1523  mit dem Calenberger Amt Coldingen vereinigt, worin 1542/43 die Reformation Einzug hielt. Im Jahr 1643 erhielt das Hochstift Hildesheim die verlorenen Ämter zurück. Eine neue wirtschaftliche Entwicklung fand nach vielen kriegerischen Ereignissen, in die Oesselse verwickelt war, erst nach 1815 statt. 1845-54 wurde eine neue Verkopplung der Feldmark mit der Unterzeichnung des Rezesses am 05.05.1854 besiegelt. Damit endete die wohl über 1000 Jahre geltende Vierfelderwirtschaft. 1858 erfolgte der Bau der Bockwindmühle durch den Müllergesellen Nolte. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Landeigentümer 1960 die Einleitung eines Flurbereinigungsverfahrens. 14 Jahre später wurden Ingeln und Oesselse mit der Gebietsreform eine Ortschaft (der Stadt Laatzen). 1997 erfolgte der Bau des „Dorfbrunnenplatzes“.

Nach dem Jahr 1945 entstanden Neubauten im Westen und im Nordosten von Oesselse. Seit dem Jahr 1980 wurden auch im alten Ortskern neuzeitliche Gebäude errichtet. Seit dem Jahr 2004 entstanden vor allem im Westen und im Süden von Oesselse neue Wohngebiete.

Die ehemaligen Gemeinden Ingeln und Oesselse wurden bei der Gebietsreform am 1. März 1974 eingemeindet und zur Ortschaft Ingeln-Oesselse zusammengefasst.

Quellen:

- Ohainski, Uwe; Udolph, Jürgen (Hgg.), Die Ortsnamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Bd. 37. Niedersächsisches Ortsnamenbuch, Teil 1), Bielefeld 1998, S. 238 f.

- Landkreis Hannover (Hg.), Wappenbuch des Landkreises Hannover, Hannover 1985, S. 216 f.

- Ebeling, Eberhardt; Heise, Erich, Ingeln. 1945-1974, o. O. 2014.

- Aus der Ortschronik Ingeln Oesselse, o. O. u. J.

-  [Autor unbekannt], Össelse – Heim des Oslev, o.O u. J. [1965]

 

© Ilka Hanenkamp-Ley

Sören Lindner
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