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Laatzen und Grasdorf - stadtgeschichtlich

Archivraum der Stadt Laatzen

Laatzen

Die älteste Nennung des namensgleichen Ortsteiles der Stadt Laatzen stammt vom 6. Juli 1259. Der heutige Name der Stadt ist eine Abwandlung des ursprünglichen Namens "Lathusen". Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts besagen, dass Laatzen ein Dorf von zumeist abhängigen Bauern war. Die Familie von Lathusen war größter Grundherr im Ort. Die Besitzrechte dieser Familie gingen später überwiegend auf das Kloster Marienrode über, zum kleineren Teil aber auch an andere Adelige, so an die Familie von Limburg. Die Grafen von Hallermund und die Lehnsherren derer von Lathusen schenkten dem Kloster auch die Lehnshoheit über diesen Besitz in Laatzen, der daraufhin unmittelbar dem Bischof von Hildesheim unterstand.

Die erste Erwähnung der alten Laatzener Kapelle, des südlichsten Bauwerkes der norddeutschen Backsteingotik, stammt vom 13. Januar 1325. In dieser Zeit entstand wohl auch das erste freie Eigentum der Laatzener Bauern aus ehemals hörigem Besitz. Mit Döhren und Wülfel gehörte Laatzen danach zum sogenannten "Kleinen Freien". Die Freien durften ihre Höfe ohne Genehmigung des Obereigentümers verkaufen, konnten die Jagd ausüben und hatten das Recht, Handwerk und Gewerbe ohne Konzession zu betreiben. Dafür hatten die Freien Königszins zu zahlen und die Pflicht zur Heerfolge. Als das Kloster Marienrode im Jahre 1710 infolge unglücklicher Wirtschaftsführung seine grundherrlichen Rechte verlor, wurden auch die Laatzener Klösterhöfe freie Höfe. Relativ unabhängig von den politischen Herrschaftsrechten blieb die wirtschaftliche und soziale Struktur bis tief in das 19. Jahrhundert bäuerlich.

Das änderte sich erst, als Hannover begann, an der industriellen Revolution teilzunehmen und zur modernen Stadt heranwuchs. Laatzen entwickelte sich von da an nach und nach zu einer Industriearbeitersiedlung mit zunächst noch deutlich ländlichem Charakter. Der Zweite Weltkrieg traf mit schweren Bombenangriffen auch Laatzen; in der Nachkriegszeit setzte sich mit dem neuen Aufschwung die Umwandlung vom alten Dorf zur städtischen Siedlung umso lebhafter fort.

Am 1. Januar 1964 schlossen sich die Gemeinden Grasdorf und Laatzen zur neuen Gemeinde Laatzen zusammen, die am 21. Juni 1968 Stadtrechte erhielt. Durch die Gebietsreform vom 1. März 1974 wurden die Gemeinden Gleidingen, Ingeln, Oesselse und Rethen/Leine mit der Stadt Laatzen zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1981 wurden schließlich Gebietsteile der Stadt Hannover mit damals mehr als 100 Einwohnern eingegliedert. Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Laatzen zum damaligen Regierungsbezirk Hannover, der wie alle anderen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.

Grasdorf

Grasdorf wird erstmals in einer Urkunde Bischof Konrads II im Jahre 1236 erwähnt. Es wird vermutet, dass Grasdorf im 10. Jahrhundert, also in ottonischer Zeit, gegründet worden ist . Die Gründung steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Rodung des Astbrookes, eines zu jener Zeit ostwärtig gelegenen Urwaldes und der Besiedelung der gerodeten Flächen an und auf dem Kronsberg. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Grafestorpe - Grafendorf -, was darauf schließen lässt, dass Grasdorf der Sitz eines Holz- und Rodungsgrafen gewesen ist. Eine weitere Deutung des Ortsnamens Gravesthorp ist aus dem keltischen „grava“ = Kies abgeleitet und bedeutet „Kies- bzw. Sandort“.

 

Als wichtigste Grundherren werden in den folgenden Jahrhunderten der Bischof von Hildesheim, die Grafen von Hallermund - deren Höfe von der Familie von Grafestorpe bewirtschaftet wurden - und dann als Oberlehnsherren die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg genannt. 1380 fällt auch der herzogliche Besitz unter die Oberherrschaft des Bischofs von Hildesheim. Als zwischen 1380 und 1450 die Rodungsdörfer Debberode und Edigerode aufgegeben wurden, dürfte ein Teil der Bewohnenden nach Grasdorf umgesiedelt sein. Mit diesem Bevölkerungszuwachs und der nunmehr beendeten Rodung war der Wachstumsprozess Grasdorfs für die nächsten Jahrhunderte abgeschlossen.

Das 16. und 17. Jahrhundert brachte mit der Hildesheimer Stiftsfehde und dem Dreißigjährigen Krieg Not und Elend über Grasdorf. Ende des 16. Jahrhunderts hatte Grasdorf etwa 60 Hofstellen, deren Zahl bis 1835 konstant blieb. Von 1664 bis 1862 stieg die Einwohnerzahl Grasdorfs von 305 auf 466. 1835 wurden nach dem "Rezess über die Teilung und Verkoppelung vor Grasdorf" Neuverteilungen der Ländereien sowie der bisher im Besitz der Gemeinde liegenden Waldungen und Wiesen vorgenommen. Die Lebensgrundlagen der bäuerlichen Bevölkerung verbesserten sich dadurch. Der bäuerliche Charakter Grasdorfs blieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten. Durch die Umorientierung der bis dahin auf die Landwirtschaft ausgerichteten Bevölkerung auf die Industrie der wachsenden Großstadt Hannover und die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges verlor auch Grasdorf seinen rein bäuerlichen Charakter und wurde zu einer Industriearbeitersiedlung.

Am 1. Januar 1964 schlossen sich die Gemeinden Grasdorf und Laatzen freiwillig zusammen. Die neue Gemeinde Laatzen erhielt 1968 die Stadtrechte.

 

Quellen:

- Ohainski, Uwe; Udolph, Jürgen (Hgg.), Die Ortsnamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Bd. 37. Niedersächsisches Ortsnamenbuch, Teil 1), Bielefeld 1998, S. 269 f., S. 173 f.

- Landkreis Hannover (Hg.), Wappenbuch des Landkreises Hannover, Hannover 1985, S. 210 f., S. 214 f.

- Ohle, Klaus, Von Lathusen zu Laatzen. Beiträge zur Stadtgeschichte, Laatzen 1996.

-Landkreis Hannover (Hg.), Wappenbuch des Landkreises Hannover, Hannover 1985.

-Flohr, Helmut, Gravestorpe-Grasdorf. Strukturen und Dorfbewohner, o. O. u. J.

 

 

 

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