
Drei von vier Grundschulkindern starten in den offenen Ganztag
Die Stadt Laatzen führt das Angebot von Beginn an für alle Jahrgänge der Klassen 1 bis 4 ein
Wenn am 13. August 2026 das neue Schuljahr beginnt, verändert sich für viele Familien in Laatzen der Nachmittag: Die Stadt führt den offenen Ganztag an allen sieben Grundschulen im Stadtgebiet ein und setzt damit eine verlässliche Betreuung bis 16 Uhr um. Das Angebot startet nicht nur für die neuen ersten Klassen, sondern zeitgleich für alle Jahrgänge von Klasse 1 bis 4. Damit geht Laatzen über den stufenweisen Einstieg hinaus, den das Land Niedersachsen mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung vorsieht.
Für das erste Schulhalbjahr 2026/2027 sind 1.311 von 1.688 Grundschulkindern angemeldet. Das entspricht rund 78 Prozent. Auch an den einzelnen Standorten ist die Nachfrage hoch: Die Teilnahmequoten liegen zwischen 69 Prozent an der Grundschule Grasdorf und 85 Prozent an der Grundschule Rethen. Grundlage der Berechnung sind die Schülerzahlen des vergangenen Schuljahres. Die aktuellen Schülerzahlen melden die Schulen zu einem Stichtag Anfang September an die Stadt Laatzen, sodass sich die Quoten noch leicht verändern können.
Der offene Ganztag löst die bisherige Hortbetreuung ab und erweitert zugleich das Angebot für Familien deutlich: Aus bislang rund 400 Hortplätzen wird ein stadtweites Ganztagsangebot an allen sieben Grundschulen. Für die Umsetzung stellt die Stadt Laatzen jährlich rund fünf Millionen Euro bereit. Für Familien ist die Teilnahme am offenen Ganztag kostenfrei. Das bedeutet für viele Eltern mehr Planungssicherheit im Alltag, ohne zusätzliche Betreuungskosten.
„Mit dem offenen Ganztag setzen wir in Laatzen eines der größten bildungspolitischen Projekte der vergangenen Jahre um. Dabei geht es um mehr als Betreuung: Wir schaffen verlässliche Strukturen für Familien und zusätzliche Bildungs- und Erfahrungsräume für Kinder. Dass die Teilnahme kostenfrei ist, stärkt Chancengerechtigkeit und hilft Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betont Bürgermeister Kai Eggert. „Viele Kinder werden im Ganztag Angebote erleben, die für ihre Familien sonst vielleicht nicht selbstverständlich erreichbar wären. Musik, Sport, Kreativität und gemeinsames Lernen werden Teil des Schulalltags. Genau darin liegt die große Chance dieses Ganztags: Er stärkt soziale Kontakte, eröffnet neue Erfahrungen und entlastet Familien.“
Stadtrat Jörg Sporleder, der u.a. die Fachbereiche Bildung, Jugend und Finanzen verantwortet, führt aus: „Unsere Aufgabe als Stadt ist es, dieses Angebot vor Ort gut zu organisieren und verlässlich umzusetzen und darauf haben wir uns gemeinsam mit der AWO Region Hannover e.V., den Schulen und allen Beteiligten intensiv vorbereitet. Wir starten mit großer Zuversicht und werden aber die Abläufe nach dem Start aufmerksam begleiten und dort nachsteuern werden, wo es nötig ist.“
AWO übernimmt Ganztag an fünf Grundschulen
Für die Gestaltung und Umsetzung des Ganztags arbeitet die Stadt Laatzen mit der AWO Region Hannover e.V. zusammen.
Die AWO übernimmt den offenen Ganztag an den Grundschulen Grasdorf, Im Langen Feld, Rethen, Gleidingen und Ingeln-Oesselse. An den Grundschulen Rathausstraße und Pestalozzistraße organisiert die Stadt Laatzen den Ganztag selbst.
Der Betreuungsschlüssel liegt bei 2:25 und damit über den gesetzlichen Mindestanforderungen von 1:26. Damit der Ganztag an allen Standorten starten kann, arbeiten bei AWO und Stadt rund 101 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich. Hinzu kommen Beschäftigte des Landes.
Anja Meyer, stellv. Fachbereichsleitung Ganztag der AWO Region Hannover e.V. betont: „Die hohen Anmeldezahlen zeigen bereits jetzt ein großes Interesse der Familien an den Ganztagsangeboten. Aus unserer Sicht bieten Ganztagsangebote für Kinder weit mehr als eine verlässliche Betreuung. Sie schaffen Räume für soziale Begegnungen, Bewegung, Kreativität und individuelle Förderung und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten. Gemeinsam mit den Schulen, der Stadt Laatzen und den verschiedenen Kooperationspartnern möchten wir einen verlässlichen, abwechslungsreichen und an den Bedürfnissen der Kinder vor Ort orientierten Ganztag gestalten. Besonders positiv erleben wir dabei die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Schulen und der Stadt Laatzen, die wesentlich zum Gelingen beiträgt. Wir freuen uns darauf, den Ganztag ab August gemeinsam mit allen Beteiligten zu gestalten.“
Zwei Abholzeiten geben Familien Spielraum
Familien können diese Zeiten je nach Wochentag unterschiedlich wählen. Ein Kind kann also zum Beispiel montags um 14.30 Uhr und dienstags um 16 Uhr abgeholt werden. Zusätzlich bleibt das Angebot der verlässlichen Grundschule bis 13 Uhr bestehen.
Nahezu alle angemeldeten Kinder nutzen die Ganztagsangebote an vier bis fünf Wochentagen. Die Ganztagsgruppen werden überwiegend klassen- oder jahrgangsorientiert gebildet. In den Arbeitsgemeinschaften und freizeitpädagogischen Angeboten kommen die Kinder aber auch gruppen- und altersübergreifend zusammen. So verbindet das Modell feste und verlässliche Gruppenstrukturen mit neuen Kontakten und gemeinsamen Lernerfahrungen.
71 AGs: von Kochen und Musik bis Schwimmen und Zaubern
Das AG-Programm für das erste Schulhalbjahr steht an allen Grundschulstandorten fest. Insgesamt werden 71 Arbeitsgemeinschaften angeboten. Die Bandbreite reicht von Sport und Bewegung über Musik und Kreativität bis zu Natur, Kochen, Theater und Spiel.
Die Musikschule Laatzen e.V. ist an allen Grundschulen beteiligt. Die Angebote reichen von Blockflöte über Streichinstrumente und Gitarre bis zu Gesang. So erhalten Kinder einen niedrigschwelligen Zugang zu Musik.
Weitere Angebote gestalten der Deutsche Imkerbund e.V., Germania Grasdorf von 1908 e.V., der TSV Ingeln-Oesselse, der VfL Grasdorf, der Schachverein Laatzen und Jukus e.V. Teilweise führt die Stadt Laatzen abschließende Gespräche mit beteiligten Vereinen.
Zu den bislang beliebtesten Angeboten zählen die Koch-AGs, die an allen Schulen stark nachgefragt werden. Die Angebote sind zunächst für ein Schulhalbjahr geplant und unterscheiden sich je nach Standort. In Ingeln-Oesselse können Kinder unter anderem dem Weltentdecker-Club beitreten, in Gleidingen etwa an einer Schwimm-AG teilnehmen. In Grasdorf sind unter anderem Lego und Yoga vorgesehen, in der Grundschule Im Langen Feld gibt es z. B. einen Detektivclub und Badminton. In Rethen stehen Angebote wie „Harry Potter“, Zaubern und „Alt trifft Jung“ auf dem Programm. An der Pestalozzistraße sorgen unter anderem Fußball sowie Musik und Bewegung für aktive Nachmittage und an der Rathausstraße ermöglichen eine Bienen-AG und sowie ein Theater-Angebot neue Erfahrungen.
Außerdem gibt es an jeder Grundschule verschiedene Bewegungs- und Sportangebote am Nachmittag.
Kinderwünsche flossen in die Planung ein
Viele Ideen für die Nachmittagsangebote gehen auf die Kinderkonferenz 2025 zurück. Daran nahmen Klassensprecherinnen und Klassensprecher aus allen Grundschulen teil.
Die dort gesammelten Angebotsideen wurden bei der weiteren Planung immer wieder aufgegriffen.
Bei der Zusammenstellung der Angebote haben Stadtverwaltung und AWO Region Hannover e.V. bewusst auf ein vielfältiges Spektrum geachtet, um den unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Die AG-Inhalte sind zunächst für ein Schulhalbjahr festgelegt. So erhalten die Kinder die Möglichkeit, das neue Ganztagssystem kennenzulernen, während gleichzeitig Erfahrungen darüber gesammelt werden können, welche Angebote besonders nachgefragt werden.
Zum zweiten Schulhalbjahr können die Angebote angepasst werden, wenn sich zeigt, welche AGs besonders beliebt sind oder sich Bedarfe verändern.
Mittagessen ist an allen Standorten vorgesehen
Eine Mittagsverpflegung ist an allen Grundschulstandorten vorgesehen. Teilweise sind Übergangslösungen eingerichtet, bis die entsprechenden baulichen Maßnahmen abgeschlossen sind. Das Mittagessen wird je nach Standort warm angeliefert oder im Cook-and-Chill-Verfahren zubereitet. Während die Teilnahme am offenen Ganztag kostenfrei ist, wird das Mittagessen wie bisher von den Familien bezahlt.
Ferienbetreuung wird Betreuungslücken weitgehend schließen
Für den Ganztagsbereich an den Grundschulen sind weiterhin insgesamt vier Wochen Schließzeit vorgesehen. Durch die ergänzende Ferienbetreuung für Sechs- bis Zwölfjährige des Kinder- und Jugendbüros der Stadt Laatzen, die auch die drei Wochen Schließzeit in den Sommerferien abdeckt, soll künftig lediglich die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr ohne Betreuung bleiben. Brückentage werden durch den Ganztagsbereich abgedeckt.
Nach dem Schulstart begleitet die Stadt Laatzen die Abläufe an den Standorten weiter. Gemeinsam mit den Schulen, der AWO Region Hannover e.V. und den Kooperationspartnern wird geprüft, wo Anpassungen notwendig sind. Eltern erhalten standortbezogene Informationen weiterhin über die jeweilige Grundschule.

