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Grafik mit drei Einzelseiten inkl der Titelseite des Haushaltsplanentwurfs 2027

Laatzen spart und investiert weiter in Bildung, Feuerwehr und Infrastruktur

Bürgermeister Kai Eggert bringt „Turbo-Haushalt 2027“ im Rat ein

Bildung, soziale Gerechtigkeit, Feuerwehr, Infrastruktur, Digitalisierung und finanzielle Handlungsfähigkeit: In der Ratssitzung am Donnerstag, 28. Mai 2026, hat Bürgermeister Kai Eggert den Haushaltsplanentwurf für 2027 eingebracht. Zum zweiten Mal setzt die Stadt dabei auf einen frühen sogenannten „Turbo-Haushalt“.

„Der Turbo-Haushalt ist ein Instrument, um in schwieriger Lage handlungsfähig zu bleiben“, erklärte Eggert in seiner Haushaltsrede. Gerade in einem Kommunalwahljahr verschaffe sich Laatzen damit einen zeitlichen Vorsprung. Viele Kommunen würden ihre Haushalte erst nach der Wahl oder nach dem Amtsantritt neuer Verwaltungsspitzen einbringen. „Laatzen hingegen wird hier deutlich früher handlungsfähig sein und einen Vorsprung von sechs Monaten haben“, schlussfolgerte der Bürgermeister.

Ergebnishaushalt hat ein Volumen von knapp 191 Millionen Euro

Der Haushaltsplanentwurf steht erneut unter schwierigen Vorzeichen. Entscheidend ist der Ergebnishaushalt: Den geplanten ordentlichen Erträgen von rund 152,9 Millionen Euro stehen ordentliche Aufwendungen von rund 190,8 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich für 2027 ein geplantes Jahresergebnis von minus 37,8 Millionen Euro. Gegenüber dem vom Rat im November beschlossenen Eckwert von minus 36,8 Millionen Euro verschlechtert sich das Ergebnis damit um rund eine Million Euro.

Die größten Positionen bei den ordentlichen Aufwendungen sind die Personalaufwendungen mit 69,4 Millionen Euro, Transferaufwendungen wie insbesondere Sozialleistungen und die Regionsumlage in Höhe von rund 63,3 Millionen Euro sowie rund 29,7 Millionen Euro für Sach- und Dienstleistungen. Auf der Ertragsseite stehen die größten Summen mit 25,3 Millionen Euro beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, mit 24,6 Millionen Euro bei den Schlüsselzuweisungen vom Land Niedersachsen und 22,7 Millionen Euro bei der Gewerbesteuer.

Zunehmende Aufgabenübertragung vom Land ohne auskömmliche Finanzierung, steigende Kosten, begrenzte eigene Einnahmen und ein hoher Sanierungsbedarf bei kommunaler Infrastruktur setzten dem kommunalen Haushalt zu, so der Bürgermeister weiter.

Die langfristigen Schulden werden zum Jahresende 2027 voraussichtlich rund 254,2 Millionen Euro betragen. Die geplante Nettoneuverschuldung liegt bei rund 4,3 Millionen Euro und damit deutlich unter dem Planwert 2026 von 17,7 Millionen Euro. Zugleich steigen die Liquiditätskredite nach aktueller Planung auf rund 153,9 Millionen Euro.

„Unser Haushaltsplanentwurf für 2027 ist von Sparmaßnahmen geprägt, er sieht trotzdem ein Defizit vor, aber er zeigt auch, wofür Laatzen steht. Denn eine Stadt wird nicht allein daran gemessen, ob die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben aufgeht, sondern daran, ob Kinder und Jugendliche faire Chancen bekommen, ob Familien Unterstützung erfahren, ob Feuerwehr und Sicherheit verlässlich funktionieren, ob Integration gelingt und ob Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht allein gelassen werden“, begründet Eggert. „Wir müssen sparen, aber wir dürfen uns nicht kaputtsparen.“

Investitionen in Schulgebäude, Feuerwehr und Straßen

Im Finanzhaushalt sind Investitionsauszahlungen von rund 15,7 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen rund 12,9 Millionen Euro auf Baumaßnahmen.

Schulgebäude

Mit 2,5 Millionen Euro ist der Neubau der Grundschule Im Langen Feld einschließlich Sporthalle die größte Einzelinvestition im Jahr 2027. Die Gesamtbausumme liegt bei rund 32,37 Millionen Euro. Für den Umbau des Bestandsgebäudes sowie die Erweiterung der Mensa der Grundschule Rethen sind in den nächsten Jahren insgesamt 1,6 Millionen Euro vorgesehen, davon 800.000 Euro im Jahr 2027. Darüber hinaus sind Planungskosten für die Erweiterung der Grundschule Gleidingen in Höhe von 400.000 Euro eingeplant. Insgesamt belaufen sich die Planungskosten hier auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Planungen für bauliche Maßnahmen an der Grundschule Grasdorf werden aus Haushaltsmitteln der Vorjahre kontinuierlich fortgeführt.

Neben den Investitionen sind auch Instandhaltungsmaßnahmen in erheblichem Umfang vorgesehen. Deshalb sind rund 1,9 Millionen Euro für die Sanierung des C-Traktes der Albert-Einstein-Schule eingeplant. Weitere 787.000 Euro sollen Schulen und Sporthallen zugutekommen.

Freiwillige Feuerwehr

Für den Neubau des Feuerwehrgebäudes Ingeln-Oesselse sind im Jahr 2027 1,9 Millionen Euro veranschlagt. Die Gesamtbausumme liegt bei rund 10,5 Millionen Euro, einschließlich des Grundstückserwerbs. Zusätzlich sollen im Haushalt 2027 570.000 Euro für Fahrzeuge und Geräte berücksichtigt werden.

Straßen- und Kanalsanierung

Ein weiterer zentraler Investitionsbereich ist der Straßen- und Tiefbau. Im Jahr 2027 sind hierfür Mittel in Höhe von insgesamt rund 6,6 Millionen Euro vorgesehen. Konkret geht es um die Sanierung einschließlich Kanalaustausch der Bergstraße in Ingeln (2,1 Mio. Euro) des Sonnenwegs in Grasdorf (0,8 Mio. Euro), der Talstraße (0,5 Mio. Euro) sowie der Alten Rathausstraße in Alt-Laatzen (0,8 Mio. Euro). Daneben sind im kommenden Jahr weitere kleinere Tiefbaumaßnahmen in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro eingeplant. Für die Folgejahre bis 2030 sind nochmal gut 24,4 Millionen Euro einkalkuliert.

Klimaschutz

Zugleich investiert die Stadt Laatzen in Klimaschutz und Energieeffizienz. Für Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden sind im Jahr 2027 und in den Folgejahren insgesamt 750.000 Euro eingeplant, davon allein 250.000 Euro im Jahr 2027. Hinzu kommt die energetische Sanierung des Straßenbeleuchtungsnetzes. Für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED sind im Jahr 2027 rund 335.000 Euro vorgesehen, in den Folgejahren weitere rund eine Million Euro.

„Eine verantwortungsbewusste Kommune muss gerade in der Krise unterscheiden zwischen Ausgaben, die dauerhaft belasten, und Investitionen, die Zukunft sichern oder Folgekosten vermeiden. Wir investieren nicht, weil wir zu viel Geld haben, sondern weil Nichtstun am Ende teurer wäre“, betonte Eggert. Der Bürgermeister verwies zugleich darauf, dass Laatzens Investitionsauszahlungen je Einwohnerin und Einwohner mit 377 Euro im Jahr 2027 deutlich unter dem kommunalen Mittelwert der vergleichbaren, niedersächsischen Kommunen von 1.097 Euro liegen.

Bildung und Chancengerechtigkeit im Haushaltsplanentwurf

Ein Schwerpunkt des Entwurfs liegt weiterhin auf sozialen Aufgaben, Bildung und Teilhabe. „Frühkindliche Bildung, gute Schulen, Teilhabe und Chancengerechtigkeit sind keine Nebenthemen. Sie sind der Kern einer zukunftsfähigen Stadtgesellschaft“, so Eggert.

Zum 1. August 2026 führt Laatzen den offenen Ganztag an allen sieben Grundschulen für alle Klassenstufen gleichzeitig ein. Die AWO Region Hannover übernimmt fünf Standorte, die Stadt zwei. Für 2027 und die Folgejahre sind dafür jährlich rund 4,8 Millionen Euro im Haushalt vorgesehen. „Das ist organisatorisch ein Kraftakt. Aber es ist ein Kraftakt für Bildungsgerechtigkeit“, sagte Eggert. Der Ganztag stehe nicht nur für Betreuung, sondern für verlässliche Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Unterstützung von Kindern, Entlastung von Eltern und gleiche Chancen in allen Ortsteilen.

Auch im Kita-Bereich wird die soziale Verantwortung finanziell sichtbar. Besonders deutlich zeige sich der Bedarf bei Sprachförderung, Integration und Heilpädagogik. In Laatzen-Mitte fehlen nach der Kita-Bedarfsplanung in den kommenden Jahren bis zu 140 Betreuungsplätze. Durch den Umbau bisheriger Horträume, die durch den Ganztag nicht mehr in gleicher Weise benötigt werden, sollen weitere Gruppenräume entstehen. Für den Umbau in den Kitas Brucknerweg und Pinienweg sind rund 96.000 Euro vorgesehen.

Bürgermeister Eggert betonte: „In den Kitas entscheidet sich, ob Kinder unabhängig von Herkunft, Sprache, Einkommen oder Beeinträchtigung einen guten Start bekommen.“ Dennoch zeige sich dort die Lücke zwischen Aufgabenübertragung und Finanzierung durch das Land besonders deutlich.

Wie unzureichend die Finanzhilfe in der Praxis sei, zeige sich etwa bei der dritten Kraft in Krippengruppen. Eine Förderung wird nur gewährt, wenn an einem bestimmten Stichtag, dem 1. Oktober, sowohl die personellen als auch die belegungsbezogenen Voraussetzungen erfüllt sind. „Ob eine dritte Krippenkraft mit rund 35.000 Euro jährlich gefördert wird oder nicht, hängt damit in vielen Fällen nicht von der tatsächlichen Belastung über das Jahr ab, sondern von der Situation an einem einzigen Stichtag“, machte Eggert deutlich. Für eine verlässliche Haushaltsplanung und eine verlässliche Kita-Finanzierung sei das kaum tragfähig.

Auch Vertretungskräfte machten die Lücke sichtbar. Sie seien für einen stabilen Kita-Betrieb unverzichtbar, etwa bei Krankheit, Fortbildung oder unbesetzten Stellen, würden jedoch nicht gefördert. Die Stadt müsse also Personal vorhalten, um Betreuung verlässlich zu gewährleisten, ohne dafür eine auskömmliche Gegenfinanzierung zu erhalten.

Appell an Bund und Land

Der Bürgermeister richtete deshalb einen deutlichen Appell an Bund und Land. Viele Ursachen der kommunalen Finanzlage könne die Stadt nicht allein beeinflussen: steigende Sozialausgaben, neue gesetzliche Aufgaben wie der Ganztag, höhere Qualitätsstandards im Kita-Bereich durch Anpassungen im Niedersächsischen Kindertagesstätten-Gesetz, Inflation, höhere Zinsen und eine strukturelle Einnahmenschwäche.

„Wir brauchen eine verlässliche, dauerhafte und auskömmliche Finanzierung unserer Aufgaben“, sagte Eggert. Kommunale Selbstverwaltung brauche nicht nur Aufgaben, sondern auch „die finanzielle Kraft, diese Aufgaben verantwortungsvoll zu erfüllen“.

Digitalisierung als wichtiger Hebel bei der Konsolidierung

Neben Einsparungen wie etwa durch Anpassung von Satzungen zur moderaten Erhöhung des Elternzuschusses bei den Kita-Essensentgelten und der Einführung der Beherbergungssteuer setzt die Stadt auf effiziente Strukturen. Dazu gehören digitale Verwaltungsleistungen wie beispielsweise die Kita-App, das künftige Elternportal für die Kita-Platzvergabe, digitale Bauanträge, die Online-Wohnsitzanmeldung des Bürgerbüros sowie der seit April eingesetzte Chatbot LINA auf laatzen.de. LINA beantwortet Bürgeranfragen rund um die Uhr und entlastet damit die Telefonzentrale.

„Der Ausbau der Digitalisierung ist ein Konsolidierungsinstrument, ein Serviceversprechen und eine Antwort auf den Fachkräftemangel zugleich“, machte Eggert deutlich. Auch Künstliche Intelligenz könne künftig helfen, standardisierte, aber zeitintensive Arbeitsschritte zu beschleunigen, damit mehr Zeit für komplexe Anliegen bleibe.

Beschluss im Rat für den 8. Oktober geplant

Der vorgelegte Haushaltsplan ist derzeit noch ein Entwurf. Die Verantwortlichen stellen die einzelnen Teilhaushalte in den Fachausschüssen und Klausuren der Politik vor. Dort werden sie gemeinsam diskutiert. Nach den politischen Beratungen können noch Änderungen am Haushaltsentwurf erfolgen. Die Verabschiedung des endgültigen Haushaltsplans 2027 ist für den 8. Oktober 2026 geplant. Anschließend legt die Stadt den Haushaltsplan einschließlich des Haushaltssicherungskonzepts der Region Hannover als Kommunalaufsicht zur Genehmigung vor.

Einwohnerinnen und Einwohner können den vollständigen Haushaltsplanentwurf auf der Internetseite der Stadt Laatzen unter https://www.laatzen.de/de/haushalt.html abrufen.