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Eine Hand hält ein analogen Thermometer; im Hintergrund sieht man das Rathaus

Temperaturen über 30 Grad Celsius: Hitzeaktionsplan läuft erstmals im Praxistest

Stadt Laatzen setzt auf Warnketten, Information und mobile Trinkwasserstationen mit Enercity

Für die kommenden Tage werden in Laatzen Temperaturen von teilweise deutlich über 30 Grad Celsius erwartet. Die Stadtverwaltung nimmt die aktuelle Hitzebelastung zum Anlass, über konkrete Schutzmöglichkeiten für Einwohnerinnen und Einwohner sowie über den Hitzeaktionsplan der Stadt Laatzen zu informieren.

Der Deutsche Wetterdienst hat in diesem Jahr bislang mehrfach amtliche Hitzewarnungen für Laatzen bzw. die Region Hannover herausgegeben: Am 19. Juni galt eine Hitzewarnung der Warnstufe I (Warnstufe I wird bei gefühlten Temperaturen über 32 Grad erreicht). Am 20. Juni lag zeitweise eine Warnung vor extremer Hitze der Warnstufe II vor (Warnstufe II gilt bei gefühlten Temperaturen ab 38 Grad und ausbleibender nächtlicher Abkühlung). Für den Zeitraum bis zum 21. Juni galt wieder eine Hitzewarnung der Warnstufe I. Die Stadtverwaltung behält die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes im Blick: Weitere Warnungen für die kommenden Tage gelten als wahrscheinlich. Warnstufe I wird bei einer gefühlten Temperatur von mehr als 32 Grad erreicht, Warnstufe II bei einer gefühlten Temperatur von 38 Grad und ausbleibender nächtlicher Abkühlung.

„Wenn es in den eigenen vier Wänden wegen der Hitzebelastung kaum noch auszuhalten ist, braucht es erreichbare Orte, an denen Menschen durchatmen und sich abkühlen können. Genau daran arbeiten wir: Wir informieren früher, wir sensibilisieren unsere Einrichtungen, wir machen kühle Orte sichtbarer, stärken den Zugang zu Trinkwasser an öffentlichen Orten und denken Entsiegelung, Verschattung und Hitzeschutz bei städtebaulichen Themen mit.“

Information und Sensibilisierung im Zentrum des kommunalen Hitzeaktionsplans

Mit dem Hitzeaktionsplan, den die Kommunalverwaltung mit fachlicher Unterstützung der Büros 4K | Kommunikation für Klimaschutz und GEO-NET Umweltconsulting im November 2025 aufgelegt hat, hat die Stadt Laatzen Strukturen geschaffen, um bei Hitzeereignissen schneller und gezielter zu reagieren. Mit dem Hitzeaktionsplan gehört Laatzen in der Region Hannover zu den kommunalen Vorreitern. Nach Kenntnis der Stadt hat von den Umlandkommunen bislang lediglich Uetze ebenfalls einen eigenen Hitzeaktionsplan erarbeitet.

Im Mittelpunkt in Laatzens Hitzeaktionsplans stehen sogenannte Kommunikationskaskaden: Bei Hitzewarnungen werden Informationen im Schulterschluss mit der Region Hannover an verwaltungsinterne und externe Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weitergegeben.

Dazu gehören unter anderem städtische Einrichtungen, die zentrale Information im Rathaus-Foyer, das Stadthaus, Jugendzentren, Kindertagesstätten sowie weitere Akteure, die besonders gefährdete Menschen erreichen können, etwa Ärztinnen und Ärzte, Apotheken, Pflege- und Beratungseinrichtungen oder soziale Netzwerke vor Ort.

„Gerade die Menschen, die Hitze besonders belastet, erreicht man nicht allein mit einer Meldung auf der Internetseite“, begründet Eggert. „Deshalb setzen wir auf Menschen, die ohnehin im Kontakt mit den Betroffenen stehen: in Kitas, im sozialen Bereich, in Einrichtungen, Praxen, Apotheken, Familien und Nachbarschaften. Wir wollen dafür sorgen, dass niemand mit der Hitze allein gelassen wird.“

Dieser Sommer ist für den Hitzeaktionsplan der erste Praxistest. Die Stadtverwaltung wird im Verlauf des Sommers und im Herbst auswerten, welche Verteiler funktionieren, wo Informationen zuverlässig ankommen und wo nachgeschärft werden muss.

Mitarbeitende sind sensibilisiert

Auch innerhalb der Stadtverwaltung ist das Thema Hitze mit dem Hitzeaktionsplan stärker als zuvor verankert. Teams mit viel Publikumsverkehr, etwa an der Information im Rathaus oder im Sozialbereich, sind für mögliche Anzeichen von Überhitzung sensibilisiert. Dazu gehören unter anderem Erschöpfung, Schwindel, Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme. Ziel ist, Menschen in kritischen Situationen aufmerksam anzusprechen und auf Hilfsangebote hinzuweisen.

Trinkwasser-Stationen

Auch der Zugang zu Trinkwasser ist ein wichtiger Baustein im Hitzeschutz. Zwei öffentlich zugängliche Trinkwasserbrunnen befinden sich derzeit in Planung: einer am Stadthaus und einer in Alt-Laatzen am Marktplatz. Fördermittel sind beantragt.

Ergänzend hat sich Enercity kurzfristig bereit erklärt, am Donnerstag, den 25. Juni, an beiden vorgesehenen Standorten mobile Trinkwasserstationen einzurichten, die dort für einige Tage – voraussichtlich bis nach dem Wochenende – zur Verfügung stehen. Das Wasser wird kostenfrei angeboten und soll Passantinnen und Passanten eine unkomplizierteMöglichkeit bieten, sich während der Hitzeperioden zu erfrischen.

Bereits jetzt können während der Öffnungszeiten die öffentlich zugänglichen sanitären Anlagen im Stadthaus sowie im Foyer des Rathauses genutzt werden. Dort können mitgebrachte Trinkflaschen am Waschbecken aufgefüllt werden.

Kühle Orte im Stadtgebiet

Wer sich draußen abkühlen möchte, sollte schattige Parkanlagen, Grünflächen und andere kühlere Aufenthaltsorte nutzen. Zusätzlich sind die drei verlässlich offenen Kirchen St. Oliver (kath.) in Laatzen‑Mitte, St. Mathilde (kath.) in Alt‑Laatzen und die Pilgerkirche St. Marien (ev.-luth.) in Grasdorf auf die Hitzesituation vorbereitet und stehen als ruhige, kühle Rückzugsorte zur Verfügung.

Die Stadt Laatzen arbeitet außerdem daran, kühle Orte im Stadtgebiet besser sichtbar zu machen. Geplant ist eine Online-Karte mit „Orten zum Abkühlen“ für Laatzen. Sie soll unter anderem Parks, Grünflächen, Trinkwasserangebote, Freibäder und weitere geeignete Orte bündeln. Alle Laatzenerinnen und Laatzener können diese Karte mitgestalten und eigene Hinweise auf kühle Orte teilen: https://www.laatzen.de/de/kuehle-orte.html

Hitze-Telefon der Region Hannover

Einwohnerinnen und Einwohner können bei Fragen zum Gesundheitsschutz bei Hitze das Hitze-Telefon der Region Hannover nutzen. Es ist unter der Telefonnummer 0511 616-43434 erreichbar. Dort erhalten Einwohnerinnen und Einwohner Auskunft zu gesundheitlichen Fragen, Schutzmaßnahmen und Verhalten bei Hitze. Das Angebot richtet sich besonders auch an Menschen, die keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Informationen haben. Erreichbar ist das Hitze-Telefon montags bis donnerstags von 9 bis 15:30 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr.

Langfristig: mehr Grün und weniger Versiegelung

Viele Maßnahmen gegen Hitze wirken nicht von heute auf morgen. Deshalb setzt die Stadt neben akuten Informationen und Warnwegen auch auf mittel- und langfristige Anpassungen. Dazu gehören mehr Schatten, mehr Grün, der Erhalt und Ausbau grüner Infrastruktur sowie die Frage, wo versiegelte Flächen reduziert werden können.

Unter anderem hält die Stadt Laatzen weiterhin im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms "Soziale Stadt" an dem Vorhaben fest, Teile des Parkdecks P2 am Leine-Center zu verschatten und sucht regelmäßig den Kontakt zu den Pächtern, die finanziell an der Maßnahme zu beteiligen sind. Darüber hinaus erarbeitet die Stadt derzeit ein Entsiegelungskataster und will gemeinsam mit Unterstützung der Region Hannover ein Klimaanpassungskonzept auflegen.

Verantwortungsvoller Eigenschutz

Die Stadtverwaltung bittet alle Einwohnerinnen und Einwohner, bei hohen Temperaturen besonders auf sich selbst und andere zu achten. Wichtig ist, ausreichend zu trinken, körperliche Anstrengung in die kühleren Tageszeiten zu verlegen, Wohnungen möglichst früh morgens und spät abends zu lüften, tagsüber Fenster und Vorhänge geschlossen zu halten und direkte Sonne zu meiden.

Ein besonderes Augenmerk gilt älteren Menschen, Säuglingen und kleinen Kindern, Schwangeren, chronisch Kranken, Menschen mit Behinderung, alleinlebenden Menschen sowie Personen, die im Freien arbeiten. Wer bei sich oder anderen starke Kreislaufprobleme, Verwirrtheit, ungewöhnliche Schwäche, Bewusstseinsstörungen oder andere ernste Symptome bemerkt, sollte medizinische Hilfe rufen.

Einwohnerinnen und Einwohner finden den Hitzeaktionsplan sowie weitere hilfreiche Tipps im Umgang mit der Wärmebelastung auf https://www.laatzen.de/de/hitze.html