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Eine Frau mit festem Blick lehnt über eine Brüstung, in der Hand hält sie eine Zeitung mit violettem Deckblatt.

Warum soziale Herkunft eine zentrale Rolle spielt

Laatzens Gleichstellungsbeauftragte informiert zum Equal Pay Day am 27. Februar, präsentiert einen Kurzfilm zum Internationalen Frauentag am 8. März und lädt zum Empowerment-Seminar am 27. März ein

Der Equal Pay Day am 27. Februar 2026 und der Internationaler Frauentag am 8. März machen auch in diesem Jahr deutlich: Trotz wichtiger Fortschritte besteht weiterhin strukturelle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. Von tatsächlicher Chancengleichheit ist unsere Gesellschaft noch entfernt.

Equal Pay Day: 16 Prozent Lohnlücke

Der Equal Pay Day ist ein internationaler Aktionstag, der auf die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam macht. In Deutschland betrug der Gender Pay Gap im vergangenen Jahr 16 Prozent. Das bedeutet, dass Frauen durchschnittlich 16 Prozent weniger verdienen als Männer. Symbolisch markiert der Aktionstag den Zeitraum, den Frauen im neuen Jahr zusätzlich arbeiten müssten, um das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu erreichen. Auf dieser Grundlage fällt der Equal Pay Day 2026 auf den 27. Februar.

Doch ein genauerer Blick lohnt: Frauen sind keine homogene Gruppe. Während einige von verbesserten Rahmenbedingungen profitieren, bleiben andere weiterhin von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen, insbesondere dann, wenn geschlechtsspezifische Benachteiligung mit sozialer Ungleichheit zusammentrifft.

Soziale Herkunft als Verstärker von Ungleichheit

Frauen aus wirtschaftlich prekären Lebenslagen erlebten häufig eine doppelte Belastung. Neben struktureller Ungleichbehandlung wirkten klassistische Zuschreibungen fort, erläutert Laatzens Gleichstellungsbeauftragte Nicole Hendrych. Diese würden sich nicht immer laut äußern, aber wirkungsvoll: in geringeren Erwartungen, weniger Zutrauen und begrenzten Möglichkeiten.

Deshalb betont Hendrych: „Gerade in Zeiten, in denen die soziale Schere weiter auseinandergeht, wächst der Druck in der Mitte. Wo Abstiegsängste zunehmen, steigt oft auch die Bereitschaft, sich nach ‚unten‘ abzugrenzen – nicht unbedingt laut, aber spürbar. Klassistische Distanzierungen werden dann zur stillen Selbstvergewisserung: Man definiert sich darüber, was man ‚nicht‘ ist.“

Gerade deshalb sollte Gleichstellung umfassender verstanden werden, fordert sie. Es gehe nicht nur um gleiche Bezahlung oder bessere Karrierechancen, sondern ebenso um Respekt, Anerkennung und reale Aufstiegsmöglichkeiten – unabhängig von Herkunft oder Bildungsbiografie.

Eine moderne Gleichstellungspolitik richtet ihren Blick bewusst auf Mehrfachdiskriminierungen. „Wen erreichen unsere Maßnahmen – und wen noch nicht?“, ist eine zentrale Frage moderner Gleichstellungspolitik, um den Blick bewusst auf Mehrfachdiskriminierung zu lenken.

Denn eine Gesellschaft werde nicht daran gemessen, wie gut es den Starken geht, sondern daran, ob sie allen faire Chancen eröffne, stellt Hendrych klar.

Kurzfilm: Tina und Sören in Not

Anlässlich des Internationalen Frauentags präsentiert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Laatzen einen satirischen Kurzfilm.

Tina und Sören, dargestellt als klassische Marionetten, unterhalten sich humorvoll über die Vorurteile und Benachteiligungen, mit denen sie konfrontiert sind. Sören wird aufgrund seines Aussehens, seines „dunkel gebeizten“ Holzes, des Banjo-Spielens und kultureller Südstaaten-Anspielungen exotisiert und auf musikalisches Talent reduziert, obwohl er Ingenieur mit Doktortitel ist. Tina hingegen hat ihr Leben lang gearbeitet und ist dennoch von Altersarmut betroffen – ein Risiko, das insbesondere Frauen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien tragen.

Beide Figuren erkennen, dass nicht individuelle Schwächen, sondern strukturelle Ungleichheiten ihre Situationen prägen. Eine Gleichstellungsbeauftragte betont schließlich, dass nur durch präventive Investitionen in Bildung, soziale Teilhabe und Gleichstellungsarbeit eine gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft entstehen kann. Im Epilog wartet noch ein eindringlicher Appell an alle Zuschauerinnen und Zuschauer.

Zu sehen ist das Video u.a. auf der Internetseite der Stadt Laatzen https://www.laatzen.de/de/gleichstellung.html oder in den Sozialen Medien (@StadtLaatzen) wie Instagram und Facebook.

Der Stil und die Tonalität des Kurzfilms seien bewusst satirisch aufbereitet, so Hendrych. „Der Film ist dabei kein Erklärvideo, sondern ein Impuls: Er soll gesellschaftspolitische Gespräche ermöglichen – im Kollegium im Freundeskreis, in der Kommune.“ Umso wichtiger sei es, diese Mechanismen sichtbar zu machen, auch über niedrigschwellige Formate. Der Puppen-Kurzfilm greife das Thema plakativ und verständlich auf.

Minibuch „Armut, die – Substantiv, feminin Armut“

Außerdem weist die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Hendrych auf das Minibuch „Armut, die - Substantiv, feminin Armut“ hin, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen herausgegeben hat. Das Minibuch erzählt auf knapp 40 Seiten sechs exemplarische Geschichten der Frauenarmut. Dazu gibt es aktuelle statistische Daten und Forderungen, wie die strukturelle Benachteiligung bekämpft werden könnte.

Das Buch ist digital unter https://www.gleichberechtigt.org/armut/minibuch-frauenarmut abrufbar. Gedruckte Exemplare sind im Team Gleichstellung der Stadt Laatzen im Rathaus erhältlich. Auch die Zeitung des Hannoverschen Frauenbündnisses zum Internationalen Frauentag, für die Hendrych den Artikel „Klassistische Vorurteile und ihre Wirkung auf Frauen“ verfasst hat, liegt im Foyer des Rathauses aus.

Veranstaltungshinweis: Ein Empowerment-Seminar für Frauen am 27. März von 10 bis 16 Uhr im Rathaus, Laatzen

Ein starkes Nervenkostüm, ruhig Blut und Kopf hoch! Starke Voraussetzungen für Handlungskompetenz

Wo stehe ich gerade in meinem Leben? Wie zufrieden bin ich mit meinen Lebensbedingungen? Welche Wünsche treiben mich um? Wie sehr stützt mich ein soziales Umfeld? Was würde ich gerne anders machen? Und wie sollte eine Gesellschaft ausgerichtet sein, die die Frauen ehrt und achtet – nicht nur am 8. März? Es ist günstig, gemeinsam mit anderen Erfahrungen und Erlebnisse, Standpunkte und Wünsche zu reflektieren. Es bringt Entlastung und verleiht neuen Mut. Denken wir strategisch logisch, wenn wir auf folgende Fragen Antworten suchen: Wie entwickele ich „Nerven wie Drahtseile“? Wie behalte ich meine „Seelenruhe“? Wie bewahre ich „kühles Blut“ und wie bleibe ich unerschütterlich selbstbewusst?

In diesem Seminar unter der Leitung von Führungskräftecoach Bernhild Schrand werden gemeinsam die Widerstandskraft gegenüber alltäglichen Zumutungen trainiert, es werden handlungsleitende Zukunftsvorstellungen entwickelt und der Genuss der Kraft eines humorvollen wie zugewandten Miteinanders kommen nicht zu kurz. Veranstalterin ist die Stadt Laatzen. Interessierte melden sich per E-Mail an Giove@Laatzen.de oder telefonisch unter 0511 8205-1902 an.