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Historische HandschriftHistorische Handschrift

Schutzbrief an die Dorfschaft Laatzen im Dreißigjährigen Krieg

Archivfund März 2021

„die Unserigen [Soldaten] aber sollen, gedachte unsere arme Unterthanen in erwegung ihrer so lange zeithero außgestandenen Kriegs-Pressuren unnd großen Trangsahlen nicht allein hinfüro mit Einquartierung, sondern auch allen aigenmächtigen exactionen Beraub, Plunderungen und allen ubrigen vom Krieg rührenden oneribus [Lasten] genzlich verschonen“

Der im Jahre 1618 ausgebrochene Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung. Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in Gebieten, die über weite Strecken nicht unbedingt von Kampfhandlungen betroffen waren.

In den ersten Kriegsjahren blieb Niedersachsen von der Kriegsfurie verschont. Im Jahre 1625 trat Christian IV., König von Dänemark und Herzog von Holstein als Kriegsoberster des niedersächsischen Kreises an die Spitze der Protestanten. Die Führer der ihm gegenüberstehenden katholischen, kaiserlichen Armee waren Tilly und Wallenstein. Die Truppen des Königs von Dänemark zogen von Norden heran und besetzten Hameln. Tilly rückte von Süden herbei und besetzte Holzminden. In den folgenden Monaten drangen die kaiserlichen Truppen unter Tilly in das Land zwischen Weser und Leine vor. Für Oktober 1625 und Februar 1626 sind Plünderungen in Laatzen und umliegenden Dörfern belegt. Der Döhrener Pastor Ernst Wehr kommt in seiner Chronik zu dem Schluss, dass „der Winter 1625 auf 1626 für unsere Gegend die härteste Zeit in jenem furchtbaren 30jährigen Krieg gewesen sein“ dürfte.[1]

Zwar spielte sich der Krieg in den folgenden Jahren in der Hauptsache in anderen Gegenden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ab, doch sind immer wieder Truppen durch die Region um Laatzen gezogen, wodurch die Bevölkerung belastet wurde. In dieser Situation stellte der Herzog Friedrich zu Braunschweig-Lüneburg im Frühjahr 1642 der Dorfschaft Laatzen einen Schutzbrief aus. Zuvor waren offenbar viele Laatzener aus ihren Häusern verjagt worden. Verantwortlich dafür waren vermutlich schwedische Truppen, die 1641 ins Land einfielen und von Sarstedt aus die Gegend verwüsteten. Die Schweden standen in dieser Kriegsphase den kaiserlich-habsburgischen Truppen gegenüber.

Für die Laatzener Bevölkerung dürften die politischen und militärischen Konstellationen kaum eine Rolle gespielt haben, denn die vermeintlich eigenen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. Ob die Laatzener nach Ausstellung des Schutzbriefes tatsächlich wieder in ihre Häuser zurückkehren konnten und Kriegsbelastungen, Einquartierungen und Plünderungen von nun an der Vergangenheit angehörten, kann mangels Quellen nicht zweifelsfrei bestätigt werden. Spätestens mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens am 24. Oktober 1648 war dieses dunkle Kapitel der Laatzener Geschichte aber beendet.


[1] Ernst Wehr: Das Kleine Freie. Mitteilungen aus der Geschichte von Döhren – Wülfel – Laatzen. Hannover 1989.

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